Berichte

30. Sri Chinmoy 12+24 Stundenlauf mit den Schweizermeisterschaften im 24 Stunden-Lauf in Basel

Am vergangenen Wochenende fand der 30. Sri Chinmoy 12+24 Stundenlauf mit den Schweizermeisterschaften im 24 Stunden-Lauf in Basel statt.

Mit dabei von Freizeitsportler.ch waren Thomas Vetterli als 24h-Läufer und Betreuer Martin Weiss.

Und Martin ist tatsächlich - neben seinen Betreuer-Aufgaben - auch noch mitgelaufen (mehr dazu unten) und hat erst noch den folgenden Erlebnis-Bericht verfasst! (Anmerkung der Redaktion: ganz herzlichen Dank Martin für die geniale Reportage!)

"Mit dem hochgesteckten Ziel einer Medaille fuhren wir am Samstagmorgen nach Basel.

10.30 Uhr Check-In und danach einrichten unserer Utensilien in den Betreuerunterständen. Gels, isotonische Getränke, Laufschuhe, Socken, Leibchen zum Wechseln, Regenschutz etc. alles an seinem Platz.

Um 12.00 Uhr mittags dann der Start des überschaubaren Feldes, die Wetterbedingungen sonnig und warm.

5.30 min/km war mal als Anfangstempo geplant worden, welches wir aber noch vor dem Start wegen der zu erwartenden Hitze auf 6.00 min/km korrigiert haben. Ein Tscheche lief vom Start weg mit einem Schnitt von 5min/km (und das bis km 50!) Von ihm werden wir aber noch hören.

Thomas lief also locker los, plauderte mit anderen Athleten und so vergingen die ersten Stunden wie im Flug. Dies waren vorab auch die strengsten Stunden des Betreuers Martin - jede Runde (1.101km) - also alle ca. 6.30 Minuten am Anfang der Betreuerzone bereitstehen mit verschiedenen Getränken, ein Stück mitlaufen (20‘000 Schritte bis Mitternacht), fragen wies geht, aufmuntern, informieren was die anderen Schweizer laufen etc.

Thomas war nicht beunruhigt über die Info nach ca. 4 Stunden, dass er momentan auf Platz 6 der Schweizer liege. "Ich komme schon noch" war seine Antwort. Unbeirrt lief er sein Anfangstempo weiter und so kam es, dass seine "Gegner ums Podest" früher Probleme kriegten.

Eine Episode aus dem mit 15 verschiedenen Nationen bestücktem Betreuerlager: die tschechische Betreuerin des Spitzenläufers fragte mich in ihrem Englisch: "was soll ich tun, er trinkt einfach zu wenig?" Ich antwortete ihr: "du musst neben ihm herlaufen und ihm die Flasche reichen. Zwinge ihn zu trinken, drohe ihm mit Liebesentzug!" Sie schaffte es nicht – er auch nicht.

Die erste kurze Pause (10 Min) leistete sich Thomas nach 8 Stunden bei Km 79! Dann ein Power-Nap (10Min.) um 23.00h bei Km 98.

In den folgende Stunden traten aber auch bei Thomas die aus Erfahrung erwarteten und normalen Schwierigkeiten auf. Probleme beim Einnehmen von Flüssigkeit und Nahrung, muskuläre Ermüdungserscheinungen, Magenprobleme, Halluzinationen ("Martin, ich hab' mich laufen sehen?!") etc. etc.

Wie stehen noch die Chancen? Aufgeben? Im Rennen bleiben und irgendwie über die Runden kommen!

23.59 Uhr 107km. 24 Stunden am Streckenrand stehen und betreuen (Betreuer durften nicht auf die Laufstrecke) – "das schaff' ich nicht", habe ich Thomas vor dem Lauf mal gesagt.

Irgendjemand hatte dann die Schnapsidee, ich könne mich ja für den 12 Stundenlauf, welcher um Mitternacht startet, anmelden - dann sei ich als Läufer im Wettkampf und dürfte auf die Strecke. In einem Anflug von geistiger Umnachtung meldete ich mich also kurzentschlossen nach und stand um 23.55h an der Startlinie.

Mit dem Startschuss (Ruheminute) zog sogleich auch ein 2-stündiges Gewitter über Basel – eine weitere Herausforderung für die Läufer. Nasse Kleider und Schuhe, aufgeweichte Füsse. Als der Regen aufhörte, rannten alle zu den Unterständen – Kleider und Schuhe wechseln.

Thomas und ich waren jetzt beide als Läufer unterwegs, trafen uns mal auf der Strecke, mal am verwaisten Betreuerstand oder liefen gemeinsam einige Runden. Nach einer Pause und einem Besuch im Massagestand lief es Thomas wieder besser und die Aufholjagd von Platz 6 bis 3 konnte beginnen. "Ich hab's dir ja gesagt, ich komm' nochmals" und "gäll, häsch nüme dra glaubt?" – waren seine Worte.

Da mein letzter Lauf über 40km im letzten Juli war, wollte ich einfach locker langsam die Marathonstrecke laufen und mich dann wieder aus dem Rennen ausklinken. Auf den ersten 10 km fragte ich mich schon, was ich hier mache, aber irgendwann lief es einfach und die Kilometer und Stunden vergingen im Nu. Die Langstreckenläufer waren sowieso in ihrem "Tunnel" und die Betreuer (bis auf einen) verkrochen sich in ihren Zelten.

Mit dem Vogelgezwitscher und dem kühlen Morgengrauen (die Temperaturen fielen 27°C auf 10-11°C und blieben bis zum Rennschluss so) erwachten dann nadisna alle wieder und es kam Leben in die Runde. "Wer ist noch im Rennen, wer läuft wo und wie schnell?" etc.

Um 05.00h hatte ich meinen Marathon zusammen, gönnte mir eine Pause und eine Beinmassage (der Masseur, ein älterer, lockerer Italiener, sprach mich auf mein Freizeitsportler.ch-Leibchen an und sagte, er schaue regelmässig unsere Fotos und Berichte im Internet an und wolle unbedingt mal ein Training mit uns mitlaufen. So sei er hier lobend erwähnt - er hat bei Thomas und mir gute Arbeit geleistet.

Nach der Massage informierte ich mich auf der laufenden Rangliste nach Zeiten und Abständen von Thomas und seinen Konkurrenten, danach begab ich mich wieder auf die Laufstrecke, um Thomas über den neusten Stand der Dinge zu informieren und etwas auszulaufen. Ich joggte locker noch bis km 56 und entschloss mich, bis am Schluss im Rennen zu bleiben. Nach dem Motto “Laufen bis es nicht mehr geht und Gehen bis es wieder läuft“ absolvierten wir die letzten Stunden des Laufes.

2 Stunden vor Schluss des Wettkampfes konnte ich Thomas, der mittlerweile auf Platz 3 lag, informieren, dass der vierte Schweizer 17km Rückstand habe. Das hiess jetzt für uns, sich nicht mehr quälen und Tempo machen zu müssen, sondern den Vorsprung zu verwalten und die letzten 2 Stunden zu “geniessen“.

Nach 23 Stunden 50 Minuten noch die Ehrenrunde mit dem neuen und alten Schweizermeister Simon Schmid (214km) – danach war‘s geschafft. 24/12 Stunden unterwegs, Thomas 185km, Martin 83km. – Flasche leer!

Und dann kamen sie, die letzten Herausforderungen! Wie schafft man nach 24 Stunden laufen den Weg runter zur Dusche? Wie schafft man es, sich die Schuhe und Socken auszuziehen? Zum Glück waren überall genügend Helfer der perfekt organisierten Veranstaltung zugegen - herzlichen Dank allen!

Die Rangverkündigung glich danach einer Ergotherapiestunde im Altersheim. Allen 3 Medaillengewinnern der Schweizermeisterschaften musste aufs Podest hoch- und wieder runtergeholfen werden.

Herzliche Gratulation Thomas zum 3. Platz der SM und zum Sieg in der Alterskategorie!

Fazit: Super-Wochenende – vieles erlebt - Hochs und Tiefs – cool gsii – nie wieder! – bis zum nächsten Mal ;-)

Zurück